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Arbeitszeugnis: So erkennen Sie Stolpersteine und Geheimcodes


Für Personalentscheider zählt das Arbeitszeugnis neben den fachlichen Qualifikationen nach wie vor zu den Hauptinstrumenten der Bewerberauswahl. Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit erweist sich dieses für so manchen Bewerber als regelrechtes K.O.-Kriterium: Nur wer eine makellose Beurteilung vorweisen kann, darf überhaupt erst auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hoffen.

Damit sich das Arbeitszeugnis für das berufliche Fortkommen nicht als Hemmschuh entpuppt, verlangt der Gesetzgeber, daß dieses nach dem Grundsatz des Wohlwollens abgefaßt werden muß. Obgleich der Arbeitgeber der Wahrheitspflicht unterliegt, sind negative Aussagen wie unangenehme Persönlichkeitszüge, Fehlleistungen oder gar Straftaten im allgemeinen tabu - was aber nicht heißt, daß es keine schlechten Zeugnisse gibt. Denn nicht alles, was gut klingt, ist auch so gemeint.

Um den schwierigen Spagat zwischen Wohlwollen und Wahrheit zu schaffen und das Arbeitszeugnis nicht regelmäßig zum Streitfall werden zu lassen, hat sich im Laufe der Zeit eine spezielle "Zeugnissprache" herausgebildet. Das Tückische an diesen Zeugnisfloskeln: Häufig verstecken sich hinter den zuckersüßen Worten boshafte Warnhinweise, die sich nur mit dem nötigen Expertenwissen entschlüsseln lassen. Vermeintlich freundliche und unverdächtige Formulierungen entpuppen sich beim näheren Hinsehen als verschlüsselte Kritik oder gar als öffentliches "Abwatschen". Für Laien kaum wahrnehmbare Abstufungen im Positiven und kleine, aber feine Formulierungsnuancen entscheiden über die jeweilige Bedeutung einer Zeugnisaussage.

So verwundert es kaum, daß sich die Mehrheit der Arbeitnehmer in trügerischer Sicherheit wiegt und ihre Zeugnisse für besser hält als sie es tatsächlich sind. Nur wer sich in der Dechiffrierung der Zeugnissprache versteht, hat eine realistische Chance, das Geschriebene richtig zu interpretieren und bei Bedarf auf Nachbesserungen zu pochen.

Wagen wir deshalb einen Blick in den "Giftschrank" der Personalchefs:

Verschlüsselungstechnik

Besonders tückisch sind verklausulierte Doppelbödigkeiten, deren tieferer Sinn sich erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließt. Beispielsweise bedeutet die blumige Formulierung "erfüllte alle ihm übertragenen Aufgaben mit Fleiß und Interesse" zwischen den Zeilen gelesen: Bemühte sich, aber ohne nennenswerten Erfolg. Trotz geballter Freundlichkeit ist der Satz "Er erledigte seine Arbeiten mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt" ein handfestes Indiz für Umstandskrämerei und gemächliches Arbeitstempo. Und wer sich "stets um gute Vorbesserungsvorschläge bemühte", wird unter Eingeweihten als notorischer Besserwisser gehandelt.

Auslassungstechnik

Ein verdeckter Fingerzeig ist immer dann zu vermuten, wenn bestimmte Aussagen, die üblicherweise im Zeugnis auftauchen oder berufsspezifisch erwartet werden, bewußt ausgeklammert bleiben. Schlechte Karten hat beispielsweise eine Kassiererin, die in ihrem Arbeitszeugnis vergeblich nach einem Hinweis auf ihre Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sucht, oder ein Grafik-Designer, dessen Kreativität mit keinem einzigen Wort gewürdigt wird. Schweigt sich das Zeugnis über das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen aus oder werden die erbrachten Leistungen zwar aufgezählt, aber nicht beurteilt, spricht auch dies für den geübten Leser Bände.

Fehlende Schlüsselwörter ("stets", "jederzeit", "außerordentlich", "sehr") sind ebenso vielsagend und können unter Umständen dicke Minuspunkte einbringen. Wer die gestellten Aufgaben "zur vollen Zufriedenheit" des Brötchengebers erledigte, ist gerade mal Durchschnitt. Erst die wenig elegant klingende Sprachformel "zur vollsten Zufriedenheit" bedeutet "gut", während ein vorangestelltes "stets" tatsächlich auf einen Überflieger schließen läßt.

Ganz klar als Ausdruck der Unzufriedenheit zu werten ist ein insgesamt zu kurz gehaltenes Zeugnis. Als Faustregel gelten ein bis zwei Seiten, Führungskräfte dürfen gar drei bis vier Seiten erwarten.

Ausweichtechnik

Ein weiteres beliebtes Stilmittel der Zeugnissprache ist die überzogene Betonung von Selbstverständlichkeiten des Arbeitslebens bei gleichzeitiger Ausblendung eigentlich wichtiger Aspekte. Wird die "vorbildliche Pünktlichkeit" oder die "perfekte Kleidung" in besonderer Weise herausgestellt, signalisiert dies im Klartext: Der Mitarbeiter war fachlich ein absoluter Totalausfall.

Reihenfolgetechnik

Bereits die bloße Aufzählung von Tätigkeiten und Eigenschaften kann als Schlupfloch für verborgene Botschaften fungieren. Wenn nebensächliche Beschäftigungen vor Hauptaufgaben erwähnt werden und Unwichtiges vor Wichtigem rangiert, will der Zeugnisschreiber dies im Regelfall als Entwertung verstanden wissen. So ist ein einwandfreies Verhältnis zu "Kunden, Kollegen und Vorgesetzten" eine deutliche Anspielung darauf, daß es im Verhältnis zu Letztgenannten kriselte - sonst wäre die umgekehrte Reihenfolge gewählt worden.

Negationstechnik

Als Alarmsignal für Personalverantwortliche gilt die Verwendung von Verneinungen und passivierten Satzkonstruktionen. So werden "nicht unerhebliche Erfolge beim Aufbau neuer Vertriebswege" vom zeugniskundigen Leser nicht unbedingt als Referenz aufgefaßt. Auch eine Zusammenarbeit, die laut Arbeitszeugnis "ohne Beanstandungen" oder "tadellos" verlief, war mit Sicherheit alles andere als entspannt. Das gehäufte Vorkommen von Passivformen ("wurde damit betraut") dient Personalprofis als Anhaltspunkt für mangelnde Eigeninitiative und ein durchweg recht verhaltenes Engagement.

Einschränkungstechnik

Einschränkende Formulierungen wie "... im Allgemeinen ...", "... strengte sich an ..." oder "... hatte Gelegenheit ..." eignen sich hervorragend dazu, vordergründig wohlwollende Aussagen mit einem schalen Beigeschmack zu versehen oder deren positive Aussage gar völlig verpuffen zu lassen: Heißt es über einen Beschäftigten, daß er "stets nach Kräften bemüht war, die Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit zu erledigen", kann davon ausgegangen werden, daß es größtenteils beim Bemühen geblieben ist.

Schlußklausel

Besonders fatale Auswirkungen auf den Gesamteindruck kann der falsche Schlußsatz haben. Viele Personalentscheider messen der Schlußformulierung derart große Bedeutung bei, daß sie Zeugnisse gleich von hinten nach vorne lesen. Hat es der Zeugnisaussteller in einem solchen Fall unterlassen, neben den Zukunftswünschen seinen Dank für die geleistete Arbeit und ein Bedauern über das Ausscheiden auszusprechen, landet die Bewerbungsmappe gleich wieder im Stapel. Grundsätzlich gilt: Je ausführlicher und individueller die Schlußformel, desto herausragender der Mitarbeiter.

Auch im Schlußsatz können Seitenhiebe und Formulierungsfallen lauern. So bedeutet die Floskel "Wir wünschen ihm künftig viel Erfolg" in Zeugnisdeutsch übersetzt: "Bei uns wollte sich der Erfolg noch nicht so recht einstellen." Auch ein Ausscheiden in "beiderseitigem Einvernehmen" läßt so manchen Personaler hellhörig werden, hat der betreffende Mitarbeiter doch in den allermeisten Fällen nicht aus völlig freien Stücken gekündigt.

Die Beispiele zeigen: Trotz des gesetzlichen Korsetts einer wohlwollenden Zeugniserteilung können Personalverantwortliche in der Praxis aus einem reichhaltigen Fundus an Formulierungen schöpfen, die fast schon Notencharakter haben, von Otto Normalverbraucher aber nur schwer durchschaubar und juristisch kaum angreifbar sind.

Eine mindestens ebenso große Gefahr geht von Chefs aus, die der Zeugnissprache nicht mächtig sind. Gerade in kleineren und mittleren Unternehmen kommt es immer wieder vor, daß scheidenden Mitarbeitern aus Unwissenheit oder Schludrigkeit mit unpassenden Formulierungen die Karriere verbaut wird.

Unser Tip:

Nehmen Sie Ihr Arbeitszeugnis möglichst bald nach dessen Erhalt genau unter Lupe und treten Sie auch noch so wohlklingenden Phrasen mißtrauisch gegenüber - sie könnte sich als Karrierekiller mit Langzeitwirkung herausstellen. Sollten Sie auf Ungereimtheiten oder Unstimmigkeiten stoßen, empfiehlt es sich, umgehend auf Berichtigung zu dringen.

Der Königsweg besteht nach wie vor darin, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und dem Chef einen Zeugnisentwurf der Marke "Eigenbau" zu unterbreiten. Aber Vorsicht: Ein selbstgeschriebenes Zeugnis darf auf keinen Fall als solches erkennbar sein! Das Anstimmen von Lobeshymnen bringt Sie genauso wenig weiter wie falsche Bescheidenheit. Damit das selbstgebastelte Zeugnis kein Eigentor wird, sollte besonderes Augenmerk auf das formale Raster sowie die Feinheiten der Zeugnissprache gelegt werden. Darüber hinaus kann sich ein Gegencheck vom Experten lohnen. (md)
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